Wirksame Personalentwicklung braucht den Blick auf das Ganze – eine Annäherung mit TZI

27.03.2026

Konflikte am Arbeitsplatz lassen sich selten verstehen, wenn nur auf die beteiligten Personen geschaut wird. Wirksame Personalentwicklung braucht den Blick auf Beziehung, Aufgabe und Umfeld – und damit auf das Zusammenspiel, in dem Menschen arbeiten.

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin einer Organisation mit mehreren hundert Mitarbeitenden fragt mich für eine Supervision mit ihrer Vorgesetzten an. Das Verhältnis sei zerrüttet, es gebe kaum noch „normalen“ Kontakt. Gleichzeitig bestehe auf beiden Seiten der Wunsch, wieder besser zusammenzuarbeiten – daher die Anfrage.

Dr. Claudia Nounla, 
Erwachsenenpädagogin, Supervision (BSO/DGSv)

Konflikt im Arbeitsumfeld
 

Personalentwicklung stösst dort an Grenzen, wo sie den Kontext nicht mitdenkt.

In solchen hoch eskalierten Arbeitsbeziehungen hilft mir das 4-Faktoren-Modell, auch „TZI-Dreieck“ genannt, die Dynamik systematisch zu erfassen. Das Modell fokussiert nicht nur Personen, sondern auch Beziehung, Thema und Umfeld.

  • Was höre ich von den Einzelnen?
    Beide leiden unter dem Konflikt, wünschen sich ein besseres Miteinander. Und fühlen sich von der jeweils anderen schlecht behandelt.
  • Welche Dynamik nehme ich zwischen den Beteiligten wahr?
    Neben dem Misstrauen beobachte ich, dass beide sich so verhalten, dass es die jeweils andere in Bedrängnis bringt. Beide bemühen sich erkennbar darum, ihre jeweilige Perspektive als die verletzte Position sichtbar zu machen.
  • Was ist die Sache, um die es geht?
    Da es sich um Vorgesetzte und Mitarbeiterin handelt, war meine erste Spur, dass das Machtgefälle sicher eine Rolle spielt. Denn der Konflikt begann, als eine der beiden von der Kollegin zur Chefin wurde. Dazu gesellte sich ein „verdecktes Thema“: als Kolleginnen waren beide eng befreundet. Möglicherweise spielt auch Trauer über den Verlust dieser Freundschaft eine Rolle.
  • Welche Erkenntnisse ergeben sich mit Blick auf das Umfeld?
    Beide arbeiten in einer kleinen Abteilung, die innerhalb der Organisation wenig Beachtung und Wertschätzung erfährt. Vom Management kommen immer wieder Entscheidungen, die Arbeit und Zusammenarbeit erschweren – etwa die kurzfristige Anweisung, die Abteilung binnen weniger Wochen in andere Räume zu verlegen. In der Organisation scheint wenig Transparenz über mittel- und langfristige Strategien zu bestehen; in den letzten 5 Jahren gab es zwei Besitzerwechsel. Erschwerend für den Konflikt kommt hinzu, dass die Mitarbeiterin dazu neigt, Entscheidungen des Managements ihrer Vorgesetzten anzulasten – eine typische Verschiebung von Verantwortungszuschreibung in hierarchischen Systemen.

Drei Aspekte scheinen für die Dynamik besonders entscheidend zu sein:

  1. Der persönliche Konflikt ist eingebettet in strukturelle Unsicherheit. 
  2. Die Beziehung ist doppelt belastet: Hierarchie und verlorene Freundschaft. 
  3. Systemischer Druck verschärft persönliche Zuschreibungen.

Mit diesem Blick auf das Gesamtsystem wird die Komplexität deutlich: Es geht nicht nur um „den Konflikt“. Jenseits von Konzepten und Zuständigkeiten stehen zwei Menschen mit menschlichen Nöten – in einem System, das selbst unter Druck steht.

Wenn Konflikte so entstehen, liegt auch ihre Bearbeitung selten nur auf einer Ebene. In der Supervision können daraus beispielsweise drei Arbeitsrichtungen entstehen:

  • Die Beziehung klären
    Raum schaffen, um auszusprechen, was im Hintergrund wirkt – etwa die veränderte Rollenbeziehung und den Verlust der früheren Freundschaft. Solche Themen verschwinden nicht, wenn sie unausgesprochen bleiben.
  • Verantwortung neu sortieren
    Gemeinsam unterscheiden: Was gehört zur Entscheidungsebene der Organisation – und was liegt tatsächlich im Handlungsspielraum der Vorgesetzten? Diese Klärung entlastet oft beide Seiten.
  • Den Kontext sichtbar machen
    Wenn strukturelle Unsicherheit eine Rolle spielt, hilft es, diese nicht nur individuell zu bearbeiten, sondern auch im Team oder gegenüber der Organisation zu thematisieren.

Konflikte lassen sich selten lösen, indem man nur auf die beteiligten Personen schaut. Bewegung wird häufig erst möglich, wenn auch Beziehung, Aufgabe und Umfeld in den Blick kommen. Genau hier liegt die Stärke des TZI-Modells: Es hilft, die verschiedenen Ebenen einer Situation gleichzeitig wahrzunehmen und miteinander in Beziehung zu setzen.

Wer in solchen Situationen als Führungskraft oder Mitarbeitende wirksam sein will, braucht deshalb mehr als Methodenwissen. Gefragt ist die Fähigkeit, Dynamiken zwischen Person, Beziehung, Aufgabe und Umfeld wahrzunehmen – und sich selbst als Teil dieses Gefüges zu verstehen. An dieser Fähigkeit arbeiten wir in der Weiterbildung der Stiftung 3FO. Denn wer mit Menschen arbeitet, sie führt oder begleitet, ist selbst das wichtigste Werkzeug.

Personalentwicklung entfaltet ihre Wirkung dort, wo Person, Beziehung, Aufgabe und Umfeld gemeinsam in den Blick kommen – und Menschen beginnen, ihre Handlungsmöglichkeiten in diesem Zusammenspiel bewusster wahrzunehmen.

 
 

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